Die kurze Antwort: Ja, Pflicht. Wer in Deutschland gewerblich Ganzkörper-EMS anbietet, braucht einen Fachkunde-Nachweis nach der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV). Eine normale Trainerlizenz reicht dafür nicht aus. Du darfst im Studio danach fragen, und das ist auch sinnvoll.

Was die NiSV verlangt

Die NiSV regelt Geräte, die zu kosmetischen oder anderen nichtmedizinischen Zwecken mit elektrischen oder elektromagnetischen Feldern arbeiten. Dazu gehören auch EMS-Geräte in Fitnessstudios. Nach der Verordnung dürfen solche Anwendungen gewerblich nur Personen durchführen, die die nötige Fachkunde nachweisen können (Fachkunderichtlinie NiSV).

Für Muskelstimulation gilt § 7 NiSV. Verlangt wird eine erfolgreich abgeschlossene Schulung im Modul „EMF (Niederfrequenz-, Gleichstrom- oder Magnetfeldgeräte) zur Stimulation“. Die Inhalte stehen in Anlage 3 der NiSV und im Rahmenlehrplan der Fachkunderichtlinie vom 16. März 2020 (Lesefassung, Bundesumweltministerium). Seit Ende 2020 ist diese Pflicht für EMS verbindlich.

Was zur Fachkunde gehört

  • Voraussetzung: Zur Schulung wird nur zugelassen, wer eine Übungsleiter- oder Trainerlizenz (mindestens C-Lizenz) mit mindestens 120 Lerneinheiten oder eine vergleichbare Ausbildung hat (Fachkunderichtlinie).
  • Umfang: Schulungsanbieter geben übereinstimmend 23 Unterrichtseinheiten an, meist teils online und teils vor Ort (GluckerKolleg, KNOP Academy, EMS Trainer Academy).
  • Prüfung: Die Schulung endet mit einer schriftlichen Prüfung, die vor Ort stattfindet (Fachkunderichtlinie).
  • Aktualisierung: Laut Branchenquellen muss die Fachkunde mindestens alle fünf Jahre aufgefrischt werden (ems-training.de). Den genauen Stand prüfst du am besten im Verordnungstext oder bei der zuständigen Landesbehörde.

Warum das für dich wichtig ist

Bei Ganzkörper-EMS stimulieren Elektroden mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig. Das ist etwas anderes als lokale EMS an einem einzelnen Muskel oder TENS, das vor allem gegen Schmerzen eingesetzt wird. Die Belastung für den ganzen Körper ist beim Ganzkörper-EMS deutlich höher. Deshalb lernen Trainer in der Fachkunde unter anderem, wie man die Stromstärke richtig einstellt, welche Kontraindikationen es gibt und woran man Warnzeichen erkennt.

Ein bekanntes Risiko ist die Rhabdomyolyse. Dabei wird Muskelgewebe stark geschädigt, besonders wenn Einsteiger zu intensiv trainieren. Die Leitlinien zum sicheren Ganzkörper-EMS empfehlen deshalb, langsam einzusteigen, das Training eng zu betreuen und zwischen den Einheiten ausreichend Pause zu lassen. Meist ist das höchstens etwa eine Einheit pro Woche am Anfang und mindestens vier Tage Abstand (Kemmler et al., 2023, Frontiers in Physiology).

Wichtig für Risikogruppen: Bei Schwangerschaft, Herzschrittmacher oder anderen elektronischen Implantaten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Epilepsie, akuten Entzündungen oder unklaren Schmerzen solltest du vor dem Training ärztlich abklären lassen, ob EMS für dich geeignet ist. Das kann ein Trainer nicht ersetzen, auch nicht mit Fachkunde. Dieser Artikel ist keine medizinische Beratung.

Checkliste: So prüfst du dein EMS-Studio

  1. Nach dem Nachweis fragen: Lass dir das Fachkunde-Zertifikat der Person zeigen, die dich betreut. Darauf sollte das Modul EMF zur Stimulation stehen. Ein Zertifikat, das nur für das Studio allgemein gilt, reicht nicht.
  2. Grundqualifikation prüfen: Hat der Trainer eine Trainer- oder Übungsleiterlizenz oder eine vergleichbare Ausbildung, zum Beispiel ein Sportstudium oder eine Ausbildung als Physiotherapeut?
  3. Auf die Anamnese achten: Ein seriöses Studio fragt vor dem ersten Training nach deinen Vorerkrankungen, Medikamenten und einer möglichen Schwangerschaft.
  4. Die Betreuung beobachten: Ist beim Training ständig ein Trainer bei dir, der die Intensität gemeinsam mit dir anpasst? Bei großen Gruppen gleichzeitig ist die Kontrolle schwieriger.
  5. Den Einstieg bewerten: Beginnt das Training mit niedriger Intensität und liegen genug Pausentage dazwischen? Oder wird von Anfang an maximale Belastung verlangt?
  6. Bei Zweifeln die Behörde fragen: Das Bundesamt für Strahlenschutz führt keine offizielle Liste anerkannter Schulungen. Die NiSV wird von den Behörden der Bundesländer überwacht (SkinFly-Überblick).

Einordnung

Fakt: Die Fachkunde ist gesetzlich vorgeschrieben und hat klar festgelegte Inhalte. Einschätzung: Ein Zertifikat zeigt, dass jemand die Mindestanforderungen erfüllt. Es sagt aber nichts darüber aus, wie gut die Betreuung im Alltag ist. Ob ein Studio sorgfältig arbeitet, erkennst du auch an der Anamnese, an einem vorsichtigen Einstieg und daran, dass du beim Training aufmerksam begleitet wirst.

Fazit

Wer in Deutschland gewerblich Ganzkörper-EMS anbietet, braucht die NiSV-Fachkunde für Muskelstimulation. Dafür sind eine Trainerlizenz als Grundlage, eine Schulung mit rund 23 Unterrichtseinheiten und eine Prüfung nötig. Du darfst den Nachweis sehen. Zusammen mit einer gründlichen Anamnese und einem vorsichtigen Einstieg ist er ein guter Anhaltspunkt für ein seriöses Studio. Bei Vorerkrankungen bleibt die ärztliche Abklärung trotzdem wichtig.

Quellen