Plyometrisches Training nutzt schnelle Dehnungs-Verkürzungs-Zyklen: Auf eine kurze Abbremsbewegung folgt unmittelbar ein explosiver Abdruck. Dazu gehören beispielsweise Sprünge, Hüpfer und schnelle Richtungswechsel.
Der folgende Plan umfasst zwei Einheiten pro Woche mit mindestens 48 Stunden Abstand. Er ist für gesunde Jugendliche und Erwachsene gedacht, die grundlegende Kniebeugen, Ausfallschritte und beidbeinige Landungen kontrolliert ausführen können. Jede Einheit dauert einschließlich Aufwärmen ungefähr 25 bis 35 Minuten.
Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Plyometrie die Sprungleistung gesunder Menschen verbessern kann. Die beobachteten Effekte unterscheiden sich jedoch je nach Trainingsstand, Programm und Testmethode. Sechs Wochen sind ein sinnvoller Trainingsblock, aber keine Garantie für eine bestimmte Zahl zusätzlicher Zentimeter. In vielen untersuchten Programmen wurde zwei- bis dreimal pro Woche über mindestens vier bis sechs Wochen trainiert (Grgic et al., 2020; Ramirez-Campillo et al., 2023).
Vor dem ersten Training: Sprunghöhe messen
Ein einfacher Ausgangstest macht Veränderungen nachvollziehbar:
- Stelle dich seitlich zu einer Wand und markiere deine maximale Reichhöhe im Stand.
- Springe nach einer kurzen Gegenbewegung so hoch wie möglich und berühre die Wand am höchsten Punkt.
- Absolviere nach vollständiger Erholung drei Versuche.
- Die Differenz zwischen Reich- und Sprunghöhe entspricht deiner ungefähren Sprunghöhe.
Notiere den besten Versuch. Wiederhole den Test nach Woche 6 unter möglichst gleichen Bedingungen: gleiche Schuhe, gleicher Untergrund, ähnliche Tageszeit und identisches Aufwärmen. Wandtests sind nicht so präzise wie eine Kraftmessplatte, eignen sich aber für einen konsistenten persönlichen Vergleich.
Regeln für alle sechs Wochen
- Trainiere beispielsweise montags und donnerstags.
- Führe die Sprünge zu Beginn der Trainingseinheit aus, solange du ausgeruht bist.
- Springe explosiv, aber lande leise und kontrolliert.
- Knie und Fußspitzen sollten bei der Landung ungefähr in dieselbe Richtung zeigen.
- Mache zwischen einzelnen Maximalsprüngen etwa 10 bis 20 Sekunden Pause.
- Pausiere zwischen den Sätzen 60 bis 120 Sekunden.
- Beende einen Satz, wenn Sprunghöhe, Gleichgewicht oder Landetechnik deutlich nachlassen.
- Zähle intensive Sprünge aus Basketball, Volleyball oder anderen Sportarten zur Gesamtbelastung und kürze das Zusatztraining entsprechend.
Mehr Wiederholungen sind nicht automatisch besser. Plyometrie lebt von hoher Bewegungsqualität und ausreichender Erholung. Forschungsübersichten betonen neben dem Umfang auch Intensität, Untergrund, Pausen und Trainingszustand als wichtige Einflussgrößen (Ramirez-Campillo et al., 2022).
Das Aufwärmen vor jeder Einheit
Plane acht bis zehn Minuten ein:
- Zwei bis drei Minuten lockeres Laufen, Seilspringen ohne hohe Sprünge oder Fahrradfahren
- Je zehn kontrollierte Kniebeugen und Ausfallschritte
- Je zehn Fußgelenksbewegungen pro Seite
- Zwei Durchgänge mit je zehn Sekunden Kniehebelauf
- Zwei bis drei lockere Probesprünge mit steigender Intensität
Das Aufwärmen soll die Körpertemperatur erhöhen und auf schnelle Bewegungen vorbereiten, ohne bereits zu ermüden.
Die Übungen kurz erklärt
Pogo Jumps: Kleine, schnelle Sprünge vor allem aus dem Fußgelenk. Knie nur leicht beugen und die Bodenkontaktzeit kurz halten.
Squat Jump: Etwa bis zur Viertelkniebeuge absenken, kurz stabilisieren und ohne weitere Gegenbewegung hochspringen.
Countermovement Jump: Schnell in eine flache Kniebeuge absenken und die Bewegung unmittelbar in einen maximalen Sprung umkehren.
Standweitsprung: Mit beiden Füßen explosiv nach vorn springen. Stabil landen und die Position zwei Sekunden halten.
Snap-down: Aus dem Zehenstand zügig in eine athletische Viertelkniebeuge fallen und die Position stabilisieren. Es handelt sich um eine Landungsübung, nicht um einen Sprung.
Skater-Sprung: Seitlich von einem Bein auf das andere springen. Die Landung kurz halten, ohne dass das Knie nach innen fällt.
Split Jump: Aus einer Ausfallschrittposition hochspringen, die Beine in der Luft wechseln und kontrolliert landen.
Mehrfachsprung: Zwei oder drei vertikale Sprünge direkt hintereinander. Der Bodenkontakt bleibt kurz, die Landung dennoch kontrolliert.
Anlaufsprung: Mit zwei oder drei ruhigen Schritten anlaufen und maximal nach oben springen. Die Übung eignet sich besonders für Basketball und Volleyball.
Der 6-Wochen-Plan
Die Angaben bedeuten Sätze × Wiederholungen. Bei einbeinigen Übungen gilt die Wiederholungszahl pro Seite.
| Woche | Einheit A | Einheit B | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| 1 | Pogo Jumps 2 × 10; Squat Jumps 3 × 4; Standweitsprünge 3 × 3 | Snap-downs 3 × 5; kleine Skater-Sprünge 3 × 4 je Seite; Countermovement Jumps 3 × 3 | Landen lernen und Belastung kennenlernen |
| 2 | Pogo Jumps 3 × 10; Squat Jumps 3 × 4; Standweitsprünge 3 × 3 | Snap-downs 3 × 5; Skater-Sprünge 3 × 4 je Seite; Countermovement Jumps 3 × 4 | Technik festigen |
| 3 | Pogo Jumps 3 × 12; Countermovement Jumps 4 × 4; Standweitsprünge 3 × 4 | Skater-Sprünge 3 × 5 je Seite; Split Jumps 3 × 3 je Seite; maximale Vertikalsprünge 3 × 3 | Intensität erhöhen |
| 4 | Pogo Jumps 3 × 12; Countermovement Jumps 4 × 4; Standweitsprünge 4 × 3 | Skater-Sprünge 4 × 4 je Seite; Split Jumps 3 × 3 je Seite; maximale Vertikalsprünge 4 × 3 | Höchster Gesamtumfang |
| 5 | schnelle Pogo Jumps 3 × 12; Mehrfachsprünge 4 × 3; Standweitsprünge 4 × 3 | Skater-Sprünge 3 × 5 je Seite; Split Jumps 3 × 4 je Seite; Anlaufsprünge 4 × 3 | Reaktivität und sportnahe Sprünge |
| 6 | schnelle Pogo Jumps 2 × 10; Countermovement Jumps 3 × 3; Standweitsprünge 3 × 3 | Skater-Sprünge 2 × 4 je Seite; Split Jumps 2 × 3 je Seite; Anlaufsprünge 3 × 3 | Umfang reduzieren, Qualität erhalten |
Woche 6 senkt den Umfang bewusst. So entsteht vor dem Abschlusstest weniger zusätzliche Ermüdung. Plane nach der letzten Einheit mindestens 48 Stunden ohne intensive Beinbelastung ein.
Anpassungen für Einsteiger
Wer noch nie systematisch gesprungen ist, kann den Plan vereinfachen:
- Split Jumps durch gewöhnliche Ausfallschritte mit schnellem Aufrichten ersetzen.
- Skater-Sprünge zunächst kürzer und mit festgehaltener Landung ausführen.
- Mehrfachsprünge durch einzelne Countermovement Jumps ersetzen.
- In den ersten beiden Wochen nur zwei Sätze pro Übung absolvieren.
- Die nächste Stufe erst beginnen, wenn alle Landungen stabil bleiben.
Bei Jugendlichen sind fachkundige Anleitung, altersgerechte Progression und saubere Technik besonders wichtig. Die American Academy of Pediatrics bewertet sachgerecht angeleitetes Kraft- und Sprungtraining grundsätzlich als mögliche Trainingsform für Kinder und Jugendliche, betont aber qualifizierte Aufsicht und individuelle Belastungsanpassung (AAP, 2020).
So passt der Plan zum Krafttraining
Plyometrie kann vor einer regulären Krafteinheit stattfinden. Danach reichen für viele Freizeitsportler zwei bis vier grundlegende Kraftübungen, zum Beispiel Kniebeugen, Hüftheben, Ausfallschritte und Wadenheben.
Schwere Beintrainings, intensive Sprints und viele Sprünge sollten nicht unüberlegt auf aufeinanderfolgende Tage gelegt werden. Ein möglicher Wochenrhythmus ist:
- Montag: Plyometrie A und Krafttraining
- Dienstag: lockeres Ausdauertraining oder Oberkörper
- Mittwoch: Erholung
- Donnerstag: Plyometrie B und Krafttraining
- Freitag: lockeres Training
- Wochenende: Sport oder Erholung, abhängig von der Gesamtbelastung
Bei starkem Muskelkater, ungewöhnlicher Müdigkeit oder nachlassender Sprungleistung sollte der Umfang reduziert werden.
Wann das Sprungtraining nicht geeignet ist
Akute Schmerzen sind kein normaler Trainingsreiz. Bei Schmerzen an Achillessehne, Knie, Hüfte oder Rücken sollte das Sprungtraining unterbrochen und fachlich abgeklärt werden. Das gilt auch nach einer Operation oder einer noch nicht vollständig ausgeheilten Verletzung.
Vor dem Einstieg ist eine ärztliche oder physiotherapeutische Einschätzung sinnvoll bei:
- Schwangerschaft
- unkontrolliertem Bluthochdruck
- bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Gleichgewichtsproblemen
- ausgeprägter Osteoporose
- aktuellen Sehnen- oder Gelenkbeschwerden
- längerer Trainingspause nach Erkrankung oder Verletzung
Der Plan ist allgemeine Trainingsinformation und ersetzt keine individuelle medizinische oder physiotherapeutische Beratung.
Fazit
Zwei gut erholte Plyometrie-Einheiten pro Woche reichen aus, um innerhalb von sechs Wochen einen strukturierten Trainingsreiz zu setzen. Entscheidend sind nicht möglichst viele Sprünge, sondern explosive Ausführung, stabile Landungen und eine schrittweise Steigerung. Der Abschlusstest zeigt, ob sich die Sprungleistung unter vergleichbaren Bedingungen verändert hat.
Quellen
- Grgic et al.: Assisted and Resisted Plyometric Training Programs and Vertical Jump Performance
- Ramirez-Campillo et al.: Effects of Plyometric Training on Physical Performance
- Ramirez-Campillo et al.: Programming Plyometric-Jump Training in Soccer
- American Academy of Pediatrics: Resistance Training for Children and Adolescents



