Du willst „richtig“ trainieren – aber stehst vor der klassischen Frage: Push-Pull-Legs (PPL) oder Ganzkörpertraining? Die Überraschung: Nicht der „magische Split“ entscheidet über deinen Fortschritt, sondern ob du ihn konstant durchziehst und sinnvoll steuerst.
Ein Grund, warum das so wichtig ist: Laut dem ACSM Fitness Trends Report für 2026 erfüllen weniger als 30% der Erwachsenen die empfohlenen Richtlinien für muskelstärkendes Training. (acsm.org) Heißt übersetzt: Nicht „zu wenig Wissen“, sondern „zu wenig machbar im Alltag“ ist oft der echte Gegner.
Kurz & klar: Was ist Push-Pull-Legs – und was ist Ganzkörper?
Push-Pull-Legs (PPL)
PPL teilt das Training nach Bewegungsmustern:
- Push (Drücken): Brust, Schulter, Trizeps (z. B. Bankdrücken, Schulterdrücken, Dips)
- Pull (Ziehen): Rücken, hintere Schulter, Bizeps (z. B. Klimmzüge/Latzug, Rudern, Curls)
- Legs (Beine): Quadrizeps, Beinbeuger, Gesäß, Waden (z. B. Kniebeugen, Beinpresse, RDLs, Wadenheben)
Typische Varianten:
- 3 Tage/Woche: Push – Pull – Legs (jede Muskelgruppe meist 1×/Woche, dafür pro Einheit mehr Volumen)
- 6 Tage/Woche: Push – Pull – Legs – Pause/weiter – Push – Pull – Legs (jede Muskelgruppe meist 2×/Woche)
Ganzkörpertraining
Beim Ganzkörpertraining machst du pro Einheit Übungen für den ganzen Körper (Beine, Drücken, Ziehen, Rumpf). Meist 2–4 Einheiten pro Woche, häufig 3×/Woche.
Meine Erfahrung: Ganzkörper fühlt sich am Anfang „ehrlich“ an – du gehst raus und weißt: „Heute habe ich wirklich alles bewegt.“ PPL fühlt sich dafür oft „fokussierter“ an: Du kannst in einem Workout richtig tief in Push oder Pull rein, ohne dass dir am Ende die Energie fehlt.
Was die Wissenschaft wirklich nahelegt: Frequenz ist flexibel – Volumen zählt
Viele streiten über „Wie oft pro Woche pro Muskel?“ – aber ein wichtiger Punkt ist: Wenn dein Wochen-Volumen gleich bleibt, ist die Frequenz oft weniger entscheidend, als Social Media es aussehen lässt.
Eine große Meta-Analyse zur Trainingsfrequenz kommt zu dem Ergebnis: Auf volumen-äquivalenter Basis (also gleiche Gesamt-Satzanzahl pro Woche) gibt es keinen bedeutsamen Unterschied in der Hypertrophie zwischen höherer und niedrigerer Frequenz. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
Was dagegen ziemlich robust ist: Mehr sinnvolles Wochen-Volumen bringt (bis zu einem Punkt) mehr Muskelaufbau. Eine bekannte Meta-Analyse zur „Dose-Response“ zeigt sogar eine konkrete Zahl: Jeder zusätzliche Satz pro Woche war im Mittel mit einem Plus in der Effektstärke verbunden und wurde im Abstract als ~0,37% mehr pro zusätzlichem Satz beschrieben. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
Kurz gesagt:
- Split = Werkzeug
- Wöchentliche Arbeit + Progression + Regeneration = Ergebnis
Ganzkörpertraining: Wann es für dich besonders gut passt
Vorteile
- Perfekt für Anfänger: Du übst die Basics häufiger, Technik sitzt schneller.
- Einfach planbar: 2–3 feste Tage funktionieren für Schule, Uni, Job, Ausbildung.
- Hohe Trainingsqualität pro Muskel: Du bist pro Übung oft frischer als am Ende eines „Marathon-Splits“.
- Fehlerverzeihend: Wenn du eine Einheit verpasst, ist nicht direkt ein kompletter „Push- oder Leg-Day“ weg.
Nachteile
- Einheiten können „voll“ wirken: Viele Übungen, du musst gut priorisieren.
- Arme/Schultern als Extra können untergehen, wenn du immer nur „die großen Lifts“ ballerst.
- Sehr fortgeschrittene Hypertrophie-Phasen werden irgendwann schwerer zu strukturieren, wenn du pro Muskel extrem viel Volumen brauchst.
Meine Praxis-Notiz: Bei Ganzkörper habe ich am meisten profitiert, als ich weniger Übungen, dafür klarer trainiert habe: 1–2 Unterkörper-Lifts, 1 Push, 1 Pull, etwas Core. Nicht 12 Übungen, die alle „nur so halb“ passieren.
Push-Pull-Legs: Wann PPL richtig Sinn macht
Vorteile
- Fokus & Pump: Du kannst pro Muskelgruppe/Bewegung mehr „Tiefe“ machen.
- Super für mittlere bis hohe Trainingshäufigkeit: Gerade 4–6 Tage/Woche sind mit PPL oft angenehm strukturiert.
- Leichter, Schwächen zu pushen: Mehr Platz für Extras (seitliche Schulter, obere Brust, Lat, Waden).
- Mental einfacher: „Heute nur Push“ kann sich leichter anfühlen als „heute alles“.
Nachteile
- Bei 3 Tagen/Woche oft suboptimal umgesetzt: Viele trainieren dann jede Muskelgruppe nur 1×/Woche – funktioniert, ist aber nicht automatisch „besser“.
- Verpasste Tage tun mehr weh: Wenn dein Leg Day ausfällt, fehlt dir direkt ein großer Trainingsblock.
- Beine werden zur Ausrede: Klassiker: Push/Pull läuft top, Legs werden „verschoben“.
Meine Praxis-Notiz: PPL wurde für mich erst richtig gut, als ich entweder 6 Tage stabil konnte – oder bei weniger Zeit auf Upper/Lower oder Ganzkörper zurück bin. PPL „halb“ zu machen fühlt sich oft wie ein Kompromiss an, der dir weder Fokus noch Frequenz optimal gibt.
Entscheidung in 60 Sekunden: Diese 7 Fragen klären alles
- Wie viele Tage pro Woche schaffst du realistisch 8–12 Wochen am Stück?
- 2–3 Tage: meist Ganzkörper (oder Upper/Lower)
- 4 Tage: Upper/Lower oder PPL-Variante
- 5–6 Tage: PPL sehr passend
- Verpasst du oft Einheiten?
- Ja: Ganzkörper ist „robuster“.
- Dein Ziel ist primär Muskelaufbau (Hypertrophie) und du liebst Volumen?
- PPL macht es oft leichter, viel Volumen sauber zu verteilen.
- Du bist Anfänger und willst Technik lernen?
- Ganzkörper gibt dir mehr Wiederholungen der Basics pro Woche.
- Du hast schnell „überlastete“ Ellenbogen/Schultern?
- Häufig hilft Ganzkörper oder ein moderater Split, weil du Pressing/Armarbeit besser dosieren kannst.
- Du willst eine starke Grundfitness (Kraft + Alltag + Gesundheit)?
- Ganzkörper ist extrem effizient.
- Du bist motiviert durch klare Themen-Tage („Push fühlt sich gut an“)?
- Dann kann PPL psychologisch ein Gamechanger sein.
Beispielpläne (praktisch, realistisch, anpassbar)
Option A: Ganzkörper 3×/Woche (ca. 60–75 min)
Mo – Mi – Fr (oder Di/Do/Sa)
Pro Einheit (Beispielstruktur):
- Kniebeuge-Variante (oder Beinpresse): 3 Sätze
- Hüftheben/RDL (Beinbeuger/Glute): 2–3 Sätze
- Bankdrücken/Schrägbank/Push-ups: 3 Sätze
- Rudern (Kabel/DB/LH): 3 Sätze
- Latzug/Klimmzug: 2–3 Sätze
- Core (Plank/Crunch-Variante): 2 Sätze
Volumen-Rechnung (einfach):
Wenn du für Brust pro Einheit 3 Sätze drückst, sind das bei 3 Einheiten 9 Sätze/Woche. Mit einem kleinen Extra (z. B. 1–2 Sätze Flys) bist du schnell im zweistelligen Bereich, ohne dass die Einheit ausufert – und genau diese Art Wochen-Volumen ist in Meta-Analysen oft der Hebel, nicht der Split selbst. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
Option B: PPL 6×/Woche (klassisch)
- Mo Push
- Di Pull
- Mi Legs
- Do Push
- Fr Pull
- Sa Legs
- So Pause
Faustregel aus Erfahrung: Weniger „Junk-Volumen“, mehr saubere Sätze. Lieber 12 richtig gute Sätze Rücken/Woche als 20 Sätze, bei denen ab Satz 14 nur noch Schwung passiert.
Option C: PPL 3×/Woche (wenn du es liebst, aber wenig Zeit hast)
- Mo Push (inkl. 1 Rückenübung leicht)
- Mi Pull (inkl. 1 Beinübung leicht)
- Fr Legs (inkl. 1 Pushübung leicht)
So vermeidest du das „jede Muskelgruppe nur 1×/Woche“-Problem, ohne den PPL-Charakter komplett zu verlieren.
Verantwortlich trainieren: Die wichtigsten Tipps, die wirklich zählen
- Progression > Plan-Perfektion: Steigere über Wochen z. B. Wiederholungen, Gewicht oder saubere Sätze.
- Lass 1–3 Wiederholungen „im Tank“ (meistens): Gerade als Anfänger hält dich das länger verletzungsfrei und konstant.
- Priorisiere große Bewegungen: Kniebeugen/Beinpresse, Rudern, Drücken, Hinge (RDL/Deadlift-Variante).
- Achte auf Ermüdung: Wenn jede Einheit ein „All-Out“-Test ist, fällt dein Wochen-Volumen irgendwann zusammen.
- Regeneration ist Training: Schlaf, Pausen, Stressmanagement.
- Gesundheits-Basics sind nicht optional: Für Erwachsene werden u. a. mindestens 150–300 Minuten moderate Aktivität pro Woche plus Muskelkräftigung an 2+ Tagen empfohlen. (who.int)
Trends 2025/2026, die deinen Split beeinflussen (ja, wirklich)
Fitness ist gerade extrem „tech-lastig“ – und das verändert, wie Leute ihre Pläne durchziehen:
- Wearables, Apps und datengestütztes Training sind laut ACSM 2025 ganz vorn. In dem Report wird außerdem genannt, dass es 2023 rund 850 Millionen Fitness-App-Downloads gab – von nahezu 370 Millionen Nutzer:innen. (acsm.org)
Praktisch heißt das: Viele steuern Training heute über Schlafdaten, Schritte, HRV oder einfache Streaks. Das kann dir helfen, den Split zu wählen, den du wirklich einhältst. - Traditional Strength Training bleibt ein Top-Thema (ACSM 2026) – aber gleichzeitig machen es viele nicht konstant genug, siehe die <30%-Zahl. (acsm.org)
Genau hier punkten Ganzkörperpläne: Sie sind oft der schnellste Weg von „ich will“ zu „ich mache“. - Mental Health & Training wird stärker als eigener Fokus gesehen (ACSM 2026 Trends-Seite). (acsm.org)
Und da ist es wieder: Der beste Split ist der, der dir mental nicht die Lichter ausknipst. Wenn dich 6 Tage PPL stresst, ist ein sauberer 3-Tage-Ganzkörperplan oft „mehr Fortschritt“ als der perfekte Plan, den du nach zwei Wochen abbrichst.
Kurzfazit (ohne Magie)
- Ganzkörper passt besonders gut, wenn du 2–3×/Woche trainierst, Anfänger bist oder einen Plan willst, der auch bei Stress stabil bleibt.
- Push-Pull-Legs passt besonders gut, wenn du 4–6×/Woche trainierst, Fokus-Tage liebst und Volumen pro Muskel clever verteilen willst.
- In beiden Fällen gilt: Wöchentliche sinnvolle Arbeit + Steigerung + Erholung schlagen den „besten Split auf Papier“.
Sources:
- World Health Organization (WHO) – Physical activity (BeHealthy)
- gesund.bund.de – Gesund durch Bewegung
- ACSM – The Future of Fitness: Top Trends for 2026
- ACSM – ACSM Announces Top Fitness Trends for 2025
- PubMed – How many times per week should a muscle be trained to maximize muscle hypertrophy? (Systematic review & meta-analysis)
- PubMed – Dose-response relationship between weekly resistance training volume and increases in muscle mass (Systematic review & meta-analysis)
- ACSM – ACSM Fitness Trends (Education Resources)
