31 % der Erwachsenen weltweit bewegen sich zu wenig. Gleichzeitig zeigt der Fitness-Trend klar in eine andere Richtung: Laufgruppen, Community-Workouts und soziale Trainingsformate werden beliebter. Die spannende Frage ist also nicht nur, ob Du laufen gehst, sondern wie Du eher dabeibleibst: im Run Club oder allein? (who.int)

Was bedeutet Run Club, was bedeutet Solo-Training?

Ein Run Club ist eine organisierte oder lockere Laufgruppe, in der Menschen regelmäßig zusammen trainieren. Das kann ein klassischer Lauftreff, eine Vereinsgruppe oder eine moderne Social-Running-Community sein. Häufig gibt es feste Zeiten, verschiedene Pace-Gruppen und ein soziales Element vor oder nach dem Lauf. (swr.de)

Beim Solo-Training läufst Du allein und planst Strecke, Tempo, Uhrzeit und Trainingsziel selbst. Du bist komplett flexibel und kannst Dein Training genau an Deinen Alltag und Deine Leistungsziele anpassen.

Warum Dranbleiben oft wichtiger ist als der perfekte Plan

Der beste Trainingsplan bringt wenig, wenn Du ihn nach drei Wochen wieder liegen lässt. Regelmäßige Bewegung wirkt sich nachweislich positiv auf Herz-Kreislauf-Gesundheit, Stoffwechsel und psychisches Wohlbefinden aus. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Gleichzeitig steigt die weltweite Inaktivität: Von 2010 bis 2022 nahm der Anteil unzureichend aktiver Erwachsener um rund 5 Prozentpunkte zu. (who.int)

Dazu passt ein Satz von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus:

“These new findings highlight a lost opportunity to reduce cancer and heart disease, and improve mental health and well-being through increased physical activity.” (who.int)

Run Club: Warum Gruppen vielen das Dranbleiben leichter machen

Gemeinsames Training bringt mehrere Faktoren zusammen, die Motivation stabilisieren können:

  • Verbindlichkeit: Wenn andere auf Dich warten, fällt Absagen schwerer.
  • Soziale Unterstützung: Studien zeigen, dass soziale Unterstützung positiv mit körperlicher Aktivität zusammenhängt. Mitgliedschaft in Gruppenkursen ist außerdem mit mehr sozialem Rückhalt, stärkerer Sport-Identität und höherer Aktivität verbunden. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  • Niedrigere Einstiegshürde: Gerade Anfänger fühlen sich oft sicherer, wenn Tempo, Strecke und Ablauf nicht komplett selbst entschieden werden müssen.
  • Mehr Spaß: Fitness wird eher zu einem festen Teil des Alltags, wenn auch Freundschaften und Austausch dazugehören.

Der Trend ist sichtbar: 2024 stieg die weltweite Teilnahme an Laufclubs auf Strava um 59 %. 2025 wuchs die Zahl neuer Clubs auf der Plattform fast auf das Vierfache; Laufclubs legten dabei um das 3,5-Fache zu. (press.strava.com)

Die Nachteile von Run Clubs

So hilfreich Gruppen sein können, sie passen nicht zu jedem Typ und nicht zu jedem Ziel.

  • Weniger Flexibilität: Feste Termine können stressen, wenn Dein Alltag unregelmäßig ist.
  • Falsches Tempo: Wenn die Gruppe zu schnell oder zu langsam läuft, leidet entweder die Technik oder der Trainingsreiz.
  • Vergleichsdruck: Gerade Einsteiger können sich unter Druck setzen, wenn andere deutlich fitter wirken.
  • Sozialer Fokus statt Trainingsfokus: Manche Clubs sind eher Community-Event als strukturiertes Training. Das ist nicht schlecht, aber nicht immer ideal, wenn Du gezielt schneller oder ausdauernder werden willst.

Auch in Deutschland gilt: Trotz Run-Club-Hype laufen viele Menschen weiterhin überwiegend allein. Eine repräsentative Befragung von 3.000 Erwachsenen ergab, dass nur 4 % der Läufer regelmäßig in einem Club oder einer organisierten Gruppe trainieren. (sportsshoes.com)

Solo-Training: Warum allein laufen ebenfalls stark sein kann

Allein zu trainieren hat klare Vorteile:

  • Maximale Freiheit: Du entscheidest spontan über Uhrzeit, Strecke, Dauer und Intensität.
  • Besseres Körpergefühl: Ohne Gruppendruck lernst Du leichter, auf Atmung, Belastung und Erholung zu achten.
  • Gezielteres Training: Intervallläufe, lockere Regenerationseinheiten oder lange Dauerläufe lassen sich exakt nach Plan umsetzen.
  • Mentale Ruhe: Für viele ist Laufen allein eine Form von Abschalten und Stressabbau.

Solo-Training kann besonders gut funktionieren, wenn Du gerne eigenständig planst, schon eine Routine hast oder spezifische Leistungsziele verfolgst.

Die Nachteile von Solo-Training

Allein zu trainieren verlangt mehr Selbststeuerung. Ohne feste Verabredung ist es leichter, Einheiten zu verschieben oder ganz ausfallen zu lassen. Gerade bei Anfängern fehlen oft Feedback, Struktur und Motivation von außen. Forschung zu sozialer Unterstützung legt nahe, dass Menschen mit mehr Rückhalt im Schnitt aktiver bleiben als Menschen ohne diesen Faktor. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

Was sagt die aktuelle Forschung wirklich?

Die Daten sprechen nicht dafür, dass eine Form für alle Menschen besser ist. Sie zeigen eher:

  1. Soziale Unterstützung hilft vielen beim Dranbleiben. Das spricht für Run Clubs, Laufpartner oder digitale Gruppen. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  2. Autonomie bleibt wichtig. Menschen halten Routinen eher durch, wenn das Training zu ihren eigenen Zielen und ihrem Alltag passt.
  3. Mischformen sind oft besonders stark. Ein fester Gruppenlauf pro Woche plus ein bis zwei Solo-Einheiten kann Motivation und Trainingsqualität gut verbinden.

Dass gemeinsames Training oft länger ausfällt, zeigen auch Aktivitätsdaten: Aktivitäten mit mehr als zehn Personen dauerten auf Strava im Schnitt 40 % länger als Solo-Einheiten. Das beweist nicht automatisch bessere Fitness, zeigt aber, wie stark soziale Dynamik Verhalten beeinflussen kann. (press.strava.com)

Für wen ist was besser geeignet?

Ein Run Club passt oft gut zu Dir, wenn Du …

  • gerade erst anfängst,
  • schnell Ausreden findest,
  • neue Leute kennenlernen willst,
  • feste Termine magst,
  • durch Gemeinschaft mehr Energie bekommst.

Solo-Training passt oft besser zu Dir, wenn Du …

  • sehr unregelmäßige Zeiten hast,
  • genaue Leistungsziele verfolgst,
  • beim Laufen bewusst Ruhe suchst,
  • Dein Tempo selbst bestimmen möchtest,
  • Dich in Gruppen eher unter Druck gesetzt fühlst.

Praktische Tipps, damit Du verantwortungsvoll dranbleibst

Egal ob Gruppe oder solo: Nicht jede motivierte Woche ist automatisch eine gute Trainingswoche. Nachhaltigkeit zählt mehr als kurzfristiger Ehrgeiz.

  • Starte realistisch: Zwei bis drei Einheiten pro Woche reichen für den Anfang völlig aus.
  • Laufe nicht jedes Training hart: Regeneration ist Teil des Trainings, nicht sein Gegenteil.
  • Wähle die passende Gruppe: Gute Run Clubs bieten unterschiedliche Tempi und kommunizieren klar, für wen der Lauf geeignet ist.
  • Höre auf Warnsignale: Anhaltende Schmerzen, starke Erschöpfung oder Schlafprobleme sind kein Zeichen von Disziplin, sondern Hinweise zur Anpassung.
  • Nutze Mischformen: Wenn Du gern allein läufst, aber Motivation brauchst, kann schon ein fester Gruppenlauf pro Woche helfen.

Run Clubs passen zu mehreren Entwicklungen im Fitnessbereich: Menschen suchen reale Begegnungen, flexible Sportangebote und Community statt reinem Leistungsdenken. 2025 berichtete Strava, dass neue Clubs auf der Plattform fast auf 1 Million anstiegen. Gleichzeitig bleiben digitale Tools wichtig: Trainings-Apps, Wearables und KI-gestützte Analyse werden stärker genutzt, um Fortschritt sichtbar zu machen und Routinen zu stabilisieren. (press.strava.com)

Auch die deutsche Laufszene zeigt Bewegung: Der Deutsche Leichtathletik-Verband zählt rund 800.000 Mitglieder in etwa 4.000 Laufgruppen, die wöchentlich schätzungsweise 200.000 Menschen zusammenbringen. (sportsshoes.com)

Fazit

Wenn es nur um das Dranbleiben geht, hat der Run Club für viele Menschen einen kleinen Vorteil, weil soziale Unterstützung, feste Termine und Gemeinschaft starke Motivationshilfen sind. Wenn es aber um Flexibilität, Ruhe und sehr individuelles Training geht, kann Solo-Laufen die bessere Wahl sein. Am sinnvollsten ist oft nicht entweder oder, sondern die Kombination aus beidem.

Quellen

  • WHO: Physical activity und Nearly 1.8 billion adults at risk of disease from not doing enough physical activity (who.int)
  • Strava: Year in Sport Trend Report 2024 und Year in Sport Trend Report 2025 (press.strava.com)
  • PubMed: Group exercise membership is associated with forms of social support, exercise identity, and amount of physical activity (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  • PubMed: Social Support and Physical Activity in College and University Students: A Meta-Analysis (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  • SportsShoes: Running Report 2026 (sportsshoes.com)
  • SWR Aktuell: Social Sports Club in Konstanz (swr.de)