Zyklusorientiertes Training bedeutet nicht, an bestimmten Zyklustagen zwingend bestimmte Übungen auszuführen. Sinnvoller ist ein normal aufgebauter Trainingsplan, dessen Belastung bei Bedarf an Beschwerden, Energie und Erholung angepasst wird.
Die Forschung liefert bislang keine verlässliche Grundlage für starre Regeln wie „in der Follikelphase immer schwer trainieren“ oder „in der Lutealphase kein intensives Training“. Eine große systematische Übersichtsarbeit fand im Durchschnitt nur geringfügige Leistungsunterschiede zwischen den Zyklusphasen – bei gleichzeitig erheblichen Unterschieden zwischen einzelnen Personen und schwacher Studienqualität (McNulty et al., 2020). Auch für zyklusabhängiges Krafttraining sind die Ergebnisse widersprüchlich und methodisch begrenzt (Thompson et al., 2020).
Der folgende Plan nutzt den Zyklus deshalb als Beobachtungsrahmen, nicht als biologischen Stundenplan.
Das Wichtigste vorab
- Tag 1 ist der erste Tag der Menstruationsblutung.
- Die vier Wochen sind ein Beispiel für einen Zyklus von ungefähr 28 Tagen. Ein individueller Zyklus kann kürzer, länger oder unregelmäßig sein.
- Die tatsächliche Zyklusphase lässt sich anhand des Kalenders nur ungefähr bestimmen. Besonders der Eisprung kann deutlich früher oder später stattfinden.
- Entscheidend sind die eigenen Symptome und die aktuelle Belastbarkeit.
- Wer keine zyklusabhängigen Beschwerden bemerkt, muss das Training nicht verändern.
- Hormonelle Verhütung verändert den natürlichen Hormonverlauf. Ein Plan nach angenommenen Follikel- und Lutealphasen lässt sich darauf nicht ohne Weiteres übertragen.
Belastung einfach steuern
Der Plan verwendet eine subjektive Belastungsskala von 1 bis 10:
- RPE 4–5: leicht; ein Gespräch ist problemlos möglich
- RPE 6–7: fordernd, aber kontrolliert
- RPE 8: anstrengend; beim Krafttraining bleiben etwa zwei saubere Wiederholungen möglich
- RPE 9–10: nahezu oder vollständig maximale Belastung
Für die meisten Einheiten genügt RPE 6 bis 8. Maximale Belastungen sind für diesen Plan nicht erforderlich.
Erwachsene sollten langfristig mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität pro Woche anstreben. Zusätzlich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Krafttraining für alle großen Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche (WHO-Leitlinien). Einsteigerinnen und Einsteiger dürfen mit weniger beginnen und den Umfang schrittweise erhöhen.
Woche 1: Menstruation und frühe Follikelphase
Möglicher Zeitraum: Tage 1 bis 7
Während der Blutung können unter anderem Krämpfe, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder eine stärkere Blutung das Training beeinflussen. Andere Personen fühlen sich kaum eingeschränkt. Bewegung muss während der Menstruation nicht grundsätzlich ausfallen. Regelmäßige Aktivität kann bei Regelschmerzen hilfreich sein, ersetzt bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden aber keine medizinische Abklärung (ACOG).
Wochenplan
| Tag | Training | Umfang |
|---|---|---|
| 1 | Pause, Spaziergang oder sanfte Mobilität | 15–30 Minuten, RPE 2–4 |
| 2 | Ganzkörper-Krafttraining A | 2 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 6 |
| 3 | Lockere Ausdauer | 25–40 Minuten, RPE 4–5 |
| 4 | Pause oder Mobilität | 10–20 Minuten |
| 5 | Ganzkörper-Krafttraining B | 2–3 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 6–7 |
| 6 | Lockere bis moderate Ausdauer | 30–45 Minuten, RPE 5–6 |
| 7 | Pause | — |
Bei starken Beschwerden können Kraft- und Ausdauereinheiten verkürzt, verschoben oder durch einen Spaziergang ersetzt werden. Wer sich gut fühlt, trainiert wie gewohnt.
Woche 2: Späte Follikelphase und möglicher Eisprung
Möglicher Zeitraum: Tage 8 bis 14
Viele verbreitete Zykluspläne legen in diese Woche automatisch die höchste Belastung. Dafür gibt es jedoch keine allgemeingültige wissenschaftliche Grundlage. Wer sich belastbar und gut erholt fühlt, kann die Trainingsintensität kontrolliert steigern. Wer keinen Unterschied bemerkt, führt den normalen Plan fort.
Wochenplan
| Tag | Training | Umfang |
|---|---|---|
| 8 | Ganzkörper-Krafttraining A | 3 Sätze je Übung, 6–10 Wiederholungen, RPE 7–8 |
| 9 | Lockere Bewegung | 20–40 Minuten |
| 10 | Intervalltraining | 5–6 × 2 Minuten zügig, dazwischen 2 Minuten locker |
| 11 | Pause oder Mobilität | 10–20 Minuten |
| 12 | Ganzkörper-Krafttraining B | 3 Sätze je Übung, 6–10 Wiederholungen, RPE 7–8 |
| 13 | Moderate Ausdauer | 35–50 Minuten, RPE 5–6 |
| 14 | Pause | — |
Eine Steigerung sollte klein bleiben: beispielsweise etwas mehr Gewicht, ein zusätzlicher Satz oder wenige Minuten mehr Ausdauertraining. Nicht alle drei Faktoren müssen gleichzeitig erhöht werden.
Woche 3: Frühe bis mittlere Lutealphase
Möglicher Zeitraum: Tage 15 bis 21
Es gibt keinen ausreichenden Beleg dafür, dass in dieser Phase grundsätzlich leichter trainiert werden muss. Die Einheiten können deshalb ähnlich wie in Woche 2 bleiben. Bei schlechterem Schlaf, höherem Belastungsempfinden oder längerer Erholung wird der Umfang angepasst.
Wochenplan
| Tag | Training | Umfang |
|---|---|---|
| 15 | Ganzkörper-Krafttraining A | 3 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 7 |
| 16 | Lockere Ausdauer | 30–45 Minuten, RPE 4–5 |
| 17 | Pause | — |
| 18 | Ganzkörper-Krafttraining B | 3 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 7 |
| 19 | Mobilität oder lockere Bewegung | 20–30 Minuten |
| 20 | Ausdauer nach Tagesform | 30–50 Minuten gleichmäßig oder kurze Intervalle |
| 21 | Pause | — |
Fühlt sich die übliche Belastung plötzlich deutlich schwerer an, kann das Gewicht um etwa 5 bis 10 Prozent reduziert oder ein Satz pro Übung gestrichen werden. Diese Anpassung ist eine praktische Empfehlung zur Belastungssteuerung, keine feste Vorgabe für die Lutealphase.
Woche 4: Späte Lutealphase und mögliche prämenstruelle Beschwerden
Möglicher Zeitraum: Tage 22 bis 28
In den Tagen vor der nächsten Blutung können Beschwerden wie Brustspannen, Krämpfe, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Schlafprobleme auftreten. Sie betreffen jedoch nicht alle Menschen gleich. Ein aktueller sportwissenschaftlicher Konsens betont deshalb die individuelle Beobachtung von Symptomen und hält pauschale phasenabhängige Trainingsvorgaben für nicht ausreichend belegt (Bangsbo et al., 2025).
Diese Woche dient als moderate Belastungs- oder Erholungswoche. Das ist auch unabhängig vom Zyklus eine sinnvolle Möglichkeit, auf angesammelte Ermüdung zu reagieren.
Wochenplan
| Tag | Training | Umfang |
|---|---|---|
| 22 | Ganzkörper-Krafttraining A | 2 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 6–7 |
| 23 | Lockere Ausdauer | 25–40 Minuten, RPE 4–5 |
| 24 | Pause oder Mobilität | 10–20 Minuten |
| 25 | Ganzkörper-Krafttraining B | 2 Sätze je Übung, 8–12 Wiederholungen, RPE 6–7 |
| 26 | Pause | — |
| 27 | Bewegung nach Tagesform | 20–40 Minuten |
| 28 | Pause oder Spaziergang | — |
Ohne Beschwerden darf die Belastung höher bleiben. Eine automatische „Schonwoche“ ist nicht notwendig.
Übungen für die Krafttage
Die Einheiten sollten die großen Muskelgruppen abdecken. Geeignet sind beispielsweise:
Krafttraining A
- Kniebeuge, Beinpresse oder Aufstehen von einer Bank
- Liegestütz oder Brustpresse
- Rudern am Kabelzug, mit Band oder Kurzhanteln
- Hüftheben
- Unterarmstütz oder eine andere kontrollierte Rumpfübung
Krafttraining B
- Ausfallschritt oder Step-up
- Kreuzheben mit Kurzhanteln oder eine leichte Hüftbeuge
- Schulterdrücken
- Latzug oder unterstützter Klimmzug
- Seitstütz oder kontrolliertes Tragen eines Gewichts
Vor jeder Einheit reichen meist fünf bis zehn Minuten lockeres Aufwärmen und ein bis zwei leichte Vorbereitungssätze. Saubere Technik hat Vorrang vor mehr Gewicht. Schmerzen sind kein Trainingsziel.
Den Plan an den eigenen Zyklus anpassen
Ein einfaches Protokoll ist meist hilfreicher als eine automatische Phasenprognose. Nach jeder Einheit können folgende Punkte notiert werden:
- Zyklustag und Blutung
- Art und Dauer des Trainings
- subjektive Belastung
- Energie vor dem Training
- Schlafqualität
- Schmerzen oder andere Beschwerden
- Leistung bei wiederkehrenden Übungen
Nach zwei bis drei Zyklen können persönliche Muster sichtbar werden. Einzelne schlechte Trainingstage reichen nicht aus, um einen Zusammenhang mit dem Zyklus anzunehmen. Auch Schlaf, Stress, Ernährung, Infekte und die vorherige Trainingsbelastung beeinflussen die Leistung.
Zyklustracking kann dabei helfen, wiederkehrende Beschwerden oder Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Es kann aber den Eisprung oder die tatsächlichen Hormonspiegel nicht zuverlässig aus einem Standardkalender ableiten. Ein UEFA-Konsens bewertet das Tracking daher vor allem als Instrument für Menstruationsgesundheit, Symptombeobachtung und individuelle Entscheidungen – nicht als Beweis für feste Leistungsphasen (UEFA-Konsens, 2025).
Wann fachlicher Rat wichtig ist
Training sollte beendet oder angepasst werden, wenn Schwindel, ungewöhnliche Atemnot, Kreislaufprobleme oder starke Schmerzen auftreten. Ärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere:
- sehr starke oder zunehmend schmerzhafte Blutungen
- wiederholt ausbleibende oder deutlich unregelmäßige Menstruationen
- Schmerzen außerhalb der Menstruation
- anhaltende Erschöpfung oder auffälliger Leistungsabfall
- vermuteter Eisenmangel
- Beschwerden, die Schule, Arbeit oder Alltag regelmäßig beeinträchtigen
Ausbleibende Blutungen bei hohem Trainingsumfang sind nicht automatisch ein normaler Trainingseffekt. Sie können unter anderem mit einer zu geringen Energieverfügbarkeit zusammenhängen. Der Konsens des Internationalen Olympischen Komitees zu relativem Energiemangel im Sport beschreibt mögliche Folgen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit (IOC-Konsens zu REDs).
Bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, chronischen Erkrankungen, Verletzungen oder einer bekannten gynäkologischen Erkrankung sollte die Trainingsplanung individuell mit qualifiziertem medizinischem oder therapeutischem Fachpersonal abgestimmt werden.
Fazit
Ein sinnvoller zyklusorientierter 4-Wochen-Plan basiert nicht auf starren Trainingsregeln für vermeintlich „gute“ oder „schlechte“ Phasen. Er verbindet regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining mit flexibler Belastungssteuerung. Persönliche Symptome, Erholung und Leistungsentwicklung sind dabei aussagekräftiger als der Kalendertag allein.



