In Deutschland waren zum 31.12.2024 insgesamt 11,71 Mio. Menschen Mitglied in einer Fitness- und Gesundheitsanlage – +3,6% im Vergleich zum Vorjahr.[1] Klingt nach “alle machen Fitness” – aber viele hängen trotzdem irgendwo zwischen zu viel Plan und zu wenig System. Ein 3-Tage-Ganzkörperplan ist genau das Gegenteil: simpel, wiederholbar, messbar.
Und er passt auch gut zu einer grundlegenden Empfehlung für Kraft-/Muskeltraining:
“Muscle-strengthening activities should be done involving major muscle groups on 2 or more days a week.”[2]
Heißt für dich: Wenn 2 Tage schon sinnvoll sind, sind 3 gut verteilte Einheiten pro Woche für viele Anfänger*innen ein sehr praktischer Sweet Spot.
Was ist ein 3-Tage-Ganzkörperplan (und wie funktioniert er)?
Ein Ganzkörperplan trainiert pro Einheit die wichtigsten Muskelgruppen bzw. Bewegungsmuster. Bei 3 Tagen pro Woche bedeutet das:
- 3 Reize pro Woche für Beine, Rücken, Brust/Schulter/Arme (mit unterschiedlichen Schwerpunkten)
- Fokus auf Grundübungen (mehr Muskeln auf einmal, leichter zu planen)
- Fortschritt über Progressive Overload: du machst über Zeit mehr Wiederholungen, mehr Gewicht oder mehr saubere Sätze
Typische Bausteine pro Training:
- Kniebeuge-Variante (Beine)
- Hüftstrecken-Variante (Po/Rückenstrecker)
- Drücken (Brust/Schulter/Trizeps)
- Ziehen (Rücken/Bizeps)
- Core (Rumpf)
Warum Muskelaufbau damit wirklich klappt: Volumen schlägt Chaos
Muskelaufbau ist nicht Magie, sondern Training + genug Gesamtarbeit (Volumen) + Zeit. In einer großen Übersichtsarbeit wurde ein klarer Zusammenhang gefunden: mehr wöchentliche Trainingssätze gingen im Schnitt mit mehr Muskelzuwachs einher.[3] Dort steht auch eine konkrete Zahl: Jeder zusätzliche Satz pro Woche war mit einem Anstieg des prozentualen Muskelzuwachses um ca. 0,37% assoziiert.[3]
Mini-Rechenbeispiel (einfach, aber hilfreich)
Wenn du für einen Muskel von 6 auf 9 Sätze pro Woche gehst, sind das +3 Sätze. Grob übertragen wären das 3 × 0,37% = 1,11% mehr prozentualer Zuwachs (als statistische Assoziation, nicht als Garantie).[3]
Praktisch heißt das:
Für Anfänger ist es oft klug, mit moderatem Volumen zu starten und es langsam zu steigern, statt am ersten Montag direkt “alles” zu machen.
Der 3-Tage-Ganzkörperplan (Beispiel, anfängerfreundlich)
Trainiere z. B. Mo–Mi–Fr (oder Di–Do–Sa). Lass zwischen den Einheiten möglichst mindestens einen Tag frei.
Regeln für alle Trainingstage
- Wähle Gewichte so, dass du meist noch 1–3 Wiederholungen “im Tank” hast (saubere Technik zuerst).
- Wenn du in allen Sätzen am oberen Ende der Wiederholungen bist, erhöhe beim nächsten Mal das Gewicht leicht (z. B. 2,5–5%).
- Notiere Gewicht/Wdh. – sonst trainierst du “nach Gefühl” und nicht nach Plan.
Tag A (Grundlagen + Rücken)
- Kniebeuge-Variante (Goblet Squat / Beinpresse / Kniebeuge) – 3×6–10
- Bankdrücken (Lang-/Kurzhantel) oder Liegestütz – 3×6–10
- Rudern (Kabel/Brustgestützt/Kurzhantel) – 3×8–12
- Rumänisches Kreuzheben (RDL) – 2×8–12
- Plank – 3×30–60 s
Tag B (Hüfte + Schulter)
- Hip Hinge (RDL leichter / Trap-Bar-Deadlift / Hip Thrust) – 3×5–10
- Schulterdrücken (Kurzhantel/Maschine) – 3×6–10
- Latziehen oder unterstützte Klimmzüge – 3×6–10
- Ausfallschritte oder Split Squats – 2–3×8–12 je Seite
- Face Pulls oder Reverse Fly – 2×12–15
Tag C (Beine + Brust/Arme)
- Beinpresse oder Frontkniebeuge (leicht) – 3×8–12
- Schrägbankdrücken (Kurzhantel/Maschine) – 3×8–12
- Rudern-Variante (anders als Tag A) – 3×8–12
- Beinbeuger-Maschine oder Hip Thrust – 2–3×8–12
- Bizeps-Curls – 2×10–15
- Trizepsdrücken am Kabel – 2×10–15
Vorteile und Nachteile (ehrlich)
Vorteile
- Sehr einfach zu planen: 3 Einheiten, klare Übungen
- Häufige Wiederholung = Technik lernt schneller
- Gute Balance aus Reiz und Erholung für viele Anfänger*innen
- Du sammelst schnell messbare Fortschritte (Reps/Gewichte/Sätze)
Nachteile
- Einheiten können lang werden, wenn du zu viele Extras dranhängst
- Wenn du jede Einheit “bis zum Anschlag” machst: Ermüdung staut sich
- Weniger “Spezialisierung” als bei Split-Plänen (z. B. reiner Ober-/Unterkörper-Fokus)
Praktische Tipps für verantwortungsvolles Training
- Technik > Ego: saubere Wiederholungen bringen dich weiter als schwere, krumme.
- Schmerz ist kein Trainingsreiz: stechender Schmerz = abbrechen, checken lassen.
- Weniger ist oft mehr am Anfang: lieber 1–2 Übungen richtig lernen als 8 halb.
- Progression planen, nicht erzwingen: wenn du schlecht geschlafen hast, halte das Gewicht und sammle saubere Wiederholungen.
- Keine Dauerschlacht bis Muskelversagen: für Anfänger reicht es meist, nah ranzugehen, aber nicht jede Woche alles zu zerlegen.
Ernährung & Regeneration: die Basics in Zahlen
Beim Muskelaufbau ist Eiweiß wichtig – aber du brauchst kein Protein-Mystery.
- Eine einfache Orientierung für Erwachsene: 0,8 g Protein pro kg Körpergewicht/Tag.[4]
Konkretes Beispiel: 70 kg → 57 g Protein/Tag.[4] - Für trainierende Menschen, die gezielt Muskeln aufbauen wollen, nennt eine Positionierung einen Bereich von 1,4–2,0 g/kg/Tag als ausreichend für die meisten.[5]
Beispiel: 70 kg → ca. 98–140 g/Tag (Rechnung aus dem Bereich).[5]
Wichtig: Das ersetzt keine medizinische Beratung – aber es gibt dir einen realistischen Rahmen, statt Marketing-Zahlen aus dem Supplement-Regal.
Trends & Entwicklungen (warum “3 Tage” gerade gut passt)
- Fitness ist wieder klar auf Wachstum: 11,71 Mio. Mitglieder in Deutschland (Stichtag 31.12.2024) und +3,6% in einem Jahr.[1]
- Auch wirtschaftlich zeigt sich der Boom: 5,82 Mrd. EUR Umsatz (netto) in 2024, +7,0% zum Vorjahr.[1]
- Parallel läuft der High-Protein-Trend im Supermarkt weiter – inklusive der Einschätzung, dass viele “High-Protein”-Produkte meist überflüssig sind, wenn die Ernährung ohnehin passt.[4]
Ein solider 3-Tage-Ganzkörperplan ist dabei fast ein Gegen-Trend: weniger Hype, mehr Handwerk.
Kurzes Fazit
Ein 3-Tage-Ganzkörperplan ist für Anfänger oft die unkomplizierteste Art, konstant zu trainieren, genug Volumen zu sammeln und sichtbar stärker zu werden – ohne dass du dein Leben um einen komplizierten Split herum bauen musst.
Quellen
- Eckdaten ’25 der deutschen Fitnesswirtschaft (Mitglieder, Umsatz, Wachstum)
- Empfehlungen zu muskelkräftigenden Aktivitäten (2+ Tage/Woche)
- Dose-response zwischen wöchentlichem Satzvolumen und Muskelzuwachs (Meta-Analyse, PubMed)
- Proteine: 0,8 g/kg/Tag + Beispielrechnung 70 kg → 57 g (BZfE/DGE-Bezug)
- ISSN Position Stand: Protein & Training (1,4–2,0 g/kg/Tag, Open Access)

