Mehr als zehn Stunden täglich: So lange sitzen Menschen in Deutschland inzwischen durchschnittlich an einem Werktag. Der DKV-Report 2025 nennt konkret 613 Minuten – fast zwei Stunden mehr als noch vor zehn Jahren.

Besonders betroffen sind junge Erwachsene: Die Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren kommt auf durchschnittlich 667 Minuten beziehungsweise mehr als elf Stunden Sitzzeit. Ein Walking Pad verspricht eine einfache Lösung: Du gehst langsam, während Du arbeitest, lernst oder an einem Online-Meeting teilnimmst. Doch wie effektiv ist das wirklich?

Was ist ein Walking Pad?

Ein Walking Pad ist ein kompaktes, elektrisch betriebenes Laufband für langsames Gehen. Im Gegensatz zu klassischen Laufbändern besitzt es meist keine großen Haltegriffe, erreicht niedrigere Geschwindigkeiten und lässt sich unter einem höhenverstellbaren Schreibtisch platzieren.

Während Du am Computer arbeitest, bewegt sich das Laufband langsam unter Deinen Füßen. Dadurch ersetzt Du einen Teil Deiner Sitzzeit durch leichte körperliche Aktivität.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Telefonate und Videokonferenzen
  • Lesen und Recherchieren
  • einfache E-Mails
  • administrative Aufgaben
  • Videos, Webinare oder Online-Unterricht
  • kurze aktive Pausen

Für präzise Mausarbeit, konzentriertes Schreiben oder kreative Detailaufgaben kann das Gehen dagegen störend sein.

Wie effektiv ist Gehen beim Arbeiten?

Du verbrauchst deutlich mehr Energie als im Sitzen

Eine systematische Übersichtsarbeit mit 13 Studien und 351 Teilnehmenden untersuchte Laufband-Schreibtische. In den ausgewerteten Laborstudien stieg der Energieverbrauch gegenüber dem Sitzen durchschnittlich um rund 105 Kilokalorien pro Stunde.

Der tatsächliche Verbrauch hängt unter anderem von Deinem Körpergewicht, Deiner Geschwindigkeit und der Nutzungsdauer ab. Ein Walking Pad ist deshalb keine Garantie für eine Gewichtsabnahme. Regelmäßig genutzt kann es Deinen täglichen Energieverbrauch jedoch spürbar erhöhen.

Du unterbrichst lange Sitzphasen

Der größte Vorteil besteht nicht unbedingt im Kalorienverbrauch, sondern im Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Die Metaanalyse zeigte, dass Laufband-Schreibtische die Sitzzeit reduzieren können. Eindeutige langfristige Verbesserungen von Blutdruck oder anderen Stoffwechselwerten ließen sich allerdings noch nicht nachweisen.

Auch eine zwölfmonatige Untersuchung aktiver Arbeitsplätze kam zu einem differenzierten Ergebnis: Walking-Pad-Nutzer sammelten zeitweise mehr Gehminuten und unterbrachen sitzende Phasen. Die Effekte waren jedoch nicht in allen Bereichen dauerhaft oder statistisch eindeutig.

Ein Walking Pad ist somit vor allem ein praktisches Werkzeug gegen langes, ununterbrochenes Sitzen – kein medizinisches Wundermittel.

Kannst Du beim Gehen konzentriert arbeiten?

Langsames Gehen scheint viele geistige Aufgaben kaum zu beeinträchtigen. In einer randomisierten Studie aus dem Jahr 2024 blieben kognitive Leistungen an aktiven Arbeitsstationen stabil oder verbesserten sich teilweise. Die Tippgenauigkeit verschlechterte sich nicht.

Bei der Arbeitsgeschwindigkeit gab es jedoch kleine Unterschiede. Beispielsweise sank die durchschnittliche Tippgeschwindigkeit beim Wechsel von Stehen zu aktiver Bewegung von 42,5 auf 39,7 Wörter pro Minute.

In der Praxis bedeutet das:

  • Gut geeignet: Zuhören, Telefonieren, Lesen und einfache Routinearbeit
  • Bedingt geeignet: E-Mails, lockere Meetings und kurze Texte
  • Weniger geeignet: Tabellenarbeit, Grafikdesign, präzise Mausbewegungen und anspruchsvolle Schreibaufgaben

Nach einer Eingewöhnungsphase fällt die Kombination aus Gehen und Arbeiten häufig leichter. Trotzdem solltest Du nicht versuchen, jede Aufgabe auf dem Walking Pad zu erledigen.

Vorteile eines Walking Pads

Mehr Alltagsbewegung

Du musst keine zusätzliche Trainingszeit einplanen, um einige Gehminuten zu sammeln. Das kann besonders im Homeoffice, beim Lernen oder an langen Bürotagen hilfreich sein.

Weniger ununterbrochene Sitzzeit

Ein Walking Pad erleichtert regelmäßige Bewegung, ohne dass Du Deinen Arbeitsplatz verlassen musst. Das ist relevant, weil laut DKV-Report 77 Prozent der Befragten mehr als acht Stunden täglich sitzen.

Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse fasst die Entwicklung im Report deutlich zusammen:

„Dieser gefährliche Trend muss dringend gebrochen werden.“

Höherer Energieverbrauch

Langsames Gehen ist körperlich wenig anstrengend, benötigt aber mehr Energie als Sitzen oder statisches Stehen. Über mehrere kurze Einheiten kann sich dieser Unterschied summieren.

Niedrige Einstiegshürde

Für ein Walking Pad brauchst Du weder sportliche Vorerfahrung noch komplizierte Bewegungsabläufe. Geschwindigkeit und Dauer lassen sich individuell anpassen.

Bewegung wird Teil der Routine

Ein Gerät direkt am Arbeitsplatz senkt die organisatorische Hürde. Du kannst beispielsweise ein tägliches Meeting oder eine Recherchephase fest mit einer kurzen Geheinheit verbinden.

Nachteile und Grenzen

Kein vollständiger Ersatz für Sport

Walking-Pad-Einheiten finden häufig bei sehr niedriger Intensität statt. Sie ersetzen daher weder Krafttraining noch intensivere Ausdauerbelastungen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen wöchentlich mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität sowie muskelkräftigende Bewegung. Für Kinder und Jugendliche gelten durchschnittlich 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Tag.

Langsames Gehen kann zu Deinem Bewegungspensum beitragen. Es erreicht aber nicht automatisch eine moderate Intensität.

Ablenkung bei anspruchsvollen Aufgaben

Gehen, Tippen und Denken beanspruchen gleichzeitig Deine Aufmerksamkeit. Bei höherer Geschwindigkeit können Tippgeschwindigkeit, Mauspräzision oder Lesekomfort nachlassen.

Ergonomische Probleme

Ein Walking Pad macht einen schlecht eingestellten Arbeitsplatz nicht automatisch gesund. Ist der Tisch zu niedrig, beugst Du Dich beim Gehen möglicherweise nach vorn. Ein zu hoher oder seitlich platzierter Bildschirm kann Nacken und Schultern belasten.

Das Institut für Arbeitsschutz der DGUV stellte bei dynamischen Büroarbeitsplätzen zwar höhere körperliche Aktivität und einen größeren Energieumsatz fest, weist aber auch auf mögliche Defizite bei Ergonomie und Sicherheit hin.

Geräusche und Platzbedarf

Motor und Schritte können in ruhigen Wohnungen oder während Meetings hörbar sein. Außerdem benötigt das Gerät ausreichend freie Fläche und einen sicheren Standort.

Begrenzte Langzeitdaten

Viele Walking-Pad-Studien sind klein, laufen nur über kurze Zeiträume oder finden unter Laborbedingungen statt. Aussagen über langfristige Gewichtsabnahme und die Vorbeugung bestimmter Erkrankungen bleiben deshalb unsicher.

So nutzt Du ein Walking Pad sicher

Starte mit kurzen Einheiten

Beginne mit zehn bis 15 Minuten bei niedriger Geschwindigkeit. Steigere zunächst die Dauer und erst danach das Tempo. Du solltest Dich sicher fühlen und ohne Anstrengung sprechen können.

Richte Deinen Arbeitsplatz neu aus

Die Tischhöhe muss zur stehenden und gehenden Position passen. Deine Unterarme sollten locker aufliegen, die Handgelenke möglichst gerade bleiben und der Bildschirm frontal vor Dir stehen.

Achte außerdem auf ausreichend Platz hinter dem Gerät. Kabel, Taschen und andere Stolperstellen gehören nicht in den Laufbereich.

Ordne Aufgaben nach Schwierigkeit

Nutze das Walking Pad zuerst bei Tätigkeiten, die wenig Feinmotorik verlangen. Für wichtige Texte, komplizierte Tabellen oder Aufgaben unter Zeitdruck ist Sitzen oder Stehen häufig sinnvoller.

Wechsle regelmäßig die Position

Dauerhaftes Gehen ist ebenso wenig nötig wie dauerhaftes Stehen. Entscheidend ist Abwechslung. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nennt zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde als günstige Orientierung.

Ein möglicher Rhythmus:

  • 30 bis 45 Minuten sitzen
  • 10 bis 20 Minuten gehen
  • anschließend kurz stehen oder frei bewegen

Die Zeiten sind kein starres Trainingsprogramm. Passe sie an Deine Aufgaben und Dein körperliches Empfinden an.

Trage feste Schuhe

Rutschfeste, bequeme Schuhe geben Dir mehr Stabilität. Barfuß oder in Socken zu gehen kann je nach Oberfläche und Gerät das Rutschrisiko erhöhen.

Ignoriere Beschwerden nicht

Beende die Einheit bei Schwindel, Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Unsicherheit beim Gehen. Bei Gleichgewichtsstörungen, akuten Verletzungen oder relevanten Vorerkrankungen sollte die Nutzung vorher medizinisch abgeklärt werden.

Aktuelle Entwicklung: Bewegung statt Dauersitzen

Walking Pads passen zu einem größeren Wandel bei der Büroergonomie. Statt nur den perfekten Stuhl zu suchen, rückt der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und leichter Bewegung in den Mittelpunkt.

Dazu tragen drei Entwicklungen bei:

  • kompakte Geräte für Homeoffice und kleine Wohnungen
  • höhenverstellbare Schreibtische als Basis für aktive Arbeitsplätze
  • stärkere wissenschaftliche Beschäftigung mit Konzentration und Produktivität während der Bewegung

Der DKV-Report 2025 zeigt, warum das Thema relevant bleibt: Die Sitzzeit in Deutschland ist weiter gestiegen. Gleichzeitig untersucht die Forschung zunehmend nicht nur den Kalorienverbrauch, sondern auch, ob aktive Arbeitsplätze langfristig genutzt werden und die Arbeitsleistung stabil bleibt.

Fazit

Ein Walking Pad kann lange Sitzphasen wirksam unterbrechen, zusätzliche Schritte ermöglichen und den Energieverbrauch gegenüber dem Sitzen erhöhen. Besonders gut eignet es sich für einfache Aufgaben und kurze, regelmäßig eingeplante Einheiten.

Es ersetzt jedoch weder intensiveres Ausdauertraining noch Krafttraining. Der größte Nutzen entsteht durch einen abwechslungsreichen Alltag, in dem sich Sitzen, Stehen, Gehen und gezieltes Training ergänzen.

Quellen